Steuerrecht

Die Rechtsform der Genossenschaft ist in Fällen der Kooperation von Unternehmen und Privatpersonen aus gesellschaftsrechtlicher und steuerrechtlicher Sicht die attraktivste Rechtsform in Deutschland und aufgrund der vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten einzigartig.

Der Gesetzgeber unterstützt die Rechtsform der Genossenschaft aus volkswirtschaftlichen und sozialpolitischen Erwägungen heraus durch etliche Sonderregelungen.

Diese Angaben können sich ändern. Im Zweifelsfall kontaktieren Sie bitte Ihren Steuerberater.

Gewerbesteuer

Die Genossenschaft ist kraft Rechtsform gewerbesteuerpflichtig (vgl. § 2 Abs. 2 Satz 1 GewStG). Der Gewerbe-steuermessbetrag beträgt 3,5 % und wird mit dem Hebesatz der Sitzgemeinde multipliziert. Auch im Bereich der Gewerbesteuer sind unter Umständen spezielle Steuerbefreiungsvorschriften einschlägig.

Berechnung (stark vereinfacht):

Gewinn
x 3,5 % Steuermesszahl
x 450 % Gewerbesteuerhebesatz (Beispiel)
= Gewerbesteuer

Beispiel: Gewinn 20.000 € => 3.150 € Gewerbesteuer

Kapitalertragssteuer

Bei Gewinnausschüttungen ist eine Kapitalertragsteuer in Höhe von heute 25 % einzubehalten. Diese wird unter Umständen im Rahmen der Steuererklärung auf die Steuerschuld des Mitglieds angerechnet und ggf. erstattet.

Körperschaftssteuer

Die Genossenschaft ist als juristische Person selbst körperschaftsteuerpflichtig (§ 1 Abs. 1 Nr. 2 KStG). Die Körperschaftsteuerpflicht beginnt mit der Gründung (= Gründungsversammlung mit Satzungsbeschluss) und umfasst damit bereits den Zeitraum vor Eintragung in das Genossenschaftsregister. Die Gewinne unterliegen zurzeit dem allgemeinen Körperschaftsteuersatz von 15 % (zzgl. Solidaritäts-zuschlag und Gewerbesteuer).

Die Gewinnermittlung erfolgt grundsätzlich durch Vermögensvergleich (Bilanzierung).

Gewinnausschüttungen sind bei den

  • Mitgliedern (natürliche Personen) nach dem so genannten Teileinkünfteverfahren mit 60 % des ausgeschütteten Betrags zu versteuern, wenn die Beteiligung im Betriebsvermögen gehalten wird.
  • Wird eine Beteiligung im Privatvermögen gehalten, greift ab 2009 die Abgeltungsteuer in Höhe von 25 %.
  • Bei juristischen Personen sind Gewinnausschüttungen nach § 8 b Abs. 1 KStG in Höhe von 95 % steuerfrei.

Eine von der Genossenschaft einbehaltene Kapitalertragsteuer wird auf die Einkommensteuerschuld des Mitglieds angerechnet. Für die steuerliche Beurteilung der Rechtsbeziehungen zwischen Genossenschaft und Mitglied gelten die allgemeinen Regelungen, so dass auch eine verdeckte Gewinnausschüttung von der Genossenschaft an das Mitglied denkbar ist.

Diese Angaben können sich ändern. Im Zweifelsfall kontaktieren Sie bitte Ihren Steuerberater.

Lohnsteuer

Eine Beschäftigung für die Genossenschaft erfolgt grundsätzlich als Arbeitnehmer, allerdings sind bei entsprechender vertraglicher Gestaltung auch Werkunternehmerverträge oder eine Beschäftigung als freier Mitarbeiter möglich. Vorstände einer Genossenschaft sind regelmäßig als lohn- und sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer tätig. Bei einer ehrenamtlichen Tätigkeit in geringem Umfang kann eine Lohnsteuer- und Sozialversicherungspflicht unter Umständen entfallen.

Stromsteuer

Die Stromsteuer wurde 1999 im Rahmen des "Gesetz zum Einstieg in die ökologische Steuerreform" eingeführt ("Ökosteuer"). Die Stromsteuer ist eine indirekte Verbrauchssteuer, die

a) beim Stromversorger anfällt, wenn Strom von einem Letztverbraucher aus dem Versorgungsnetz entnommen wird, und

b) bei Eigenerzeugern, die Strom zum Selbstverbrauch entnehmen.

Stromversorger geben die Stromsteuer im Strompreis an die Letztverbraucher weiter. Die Stromsteuer beträgt seit 2003 2,05 ct/KWh. Unternehmen des produzierenden Gewerbes können zudem unter bestimmten Voraussetzungen einen großen Teil der zu zahlenden Stromsteuer erlassen bzw. der gezahlten Stromsteuer erstattet bekommen ("Spitzenausgleich").

Zuständig für die Erhebung der Stromsteuer sind die Hauptzollämter.

Von der Stromsteuer befreit sind nach § 9 Abs. 1 StromStG:

a) Strom aus erneuerbaren Energieträgern, wenn er aus einem ausschließlich aus solchen Energieträgern gespeisten Netz entnommen wird. Erneuerbare Energieträger in diesem Sinne sind Wasser- und Windkraft, Sonnenenergie, Erdwärme, Deponie- und Klärgas sowie Biomasse.

b) Strom aus Anlagen mit einer elektrischen Nennleistung von bis zu 2 Megawatt, wenn er vom Anlagenbetreiber in einem räumlichen Zusammenhang zur Anlage verbraucht wird.

Die BürgerEnergie Rhein-Sieg eG ist derzeit von der Stromsteuer befreit.

Umsatzsteuer

Die Umsätze der Genossenschaft unterliegen regelmäßig der so genannten Regelbesteuerung mit einem Steuersatz von 19 %.